Pisa hat den schiefsten Turm der Welt, das Nordkap ist der nördlichste Punkt Europas und die Niagarafälle die höchsten Wasserfälle der Welt … Phrasen, die wohl jeder kennt und für richtig hält. Doch weit gefehlt – nicht alles stimmt, was Reiseführer behaupten! Und nicht selten glauben Urlaubern diesen Büchern und gehen den Trugschlüssen der Tourismusindustrie auf dem Leim. Denn so ist zum Beispiel der schiefe Turm von Pisa gar nicht der schiefste Turm der Welt. Ähnliche Fehler schleichen sich auch hierzulande ein. Noch vor gar nicht so langer Zeit hat sich beispielsweise herausgestellt, dass der Rhein tatsächlich 90 Kilometer kürzer ist als früher behauptet. Ursache ist ein einfacher Zahlendreher, für den nun niemand mehr verantwortlich sein will. Die nachfolgende Aufstellung zeigt die größten Tourismus-Irrtümer.

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Nr. 1 – Der weltweit schiefste Turm steht in Pisa

Zugegebenermaßen ist der schiefe Turm von Pisa der wohl berühmteste Turm der Welt in Schräglage – doch der schrägste ist er keinesfalls. Denn im ostfriesischen Suurhusen steht ein Kirchturm mit über fünf Grad Neigung. Und er macht dem berühmt berüchtigten Turm, dem italienischen Wahrzeichen in Pisa, harte Konkurrenz. Schließlich ist der Kirchturm der Turm, der den weltweit höchsten natürlichen Neigungswinkel aufweisen kann.

Der schiefe Kirchturm von Surhuusen

Nr. 2 – Die Inuit leben in Eis-Iglus

Reisende haben die Vorstellung, dass es am Nordpol nur Eis und Schnee gibt. Wen wundert es, dass sich auch die Vorstellung, dass die indigenen Urbewohner des kalten Landes – die Inuit – in Iglus leben, hartnäckig hält. Tatsächlich ist dies keinesfalls so, denn sie leben in Zelten und Hütten aus Stein, Holz, Gras und allem anderen, was gerade vorhanden ist. Im Sommer sind es dann luftige Zelte aus Fellen und Walknochen, in denen die Inuit wohnen. Nur wenn es im Winter auf die Jagd geht, finden die Jäger Unterschlupf im Eis.

Die Inuit kennen auch Häuser
Behausung in den nördlichsten Regionen der Welt

Nr. 3 – Das Nordkap ist Europas nördlichster Punkt

Und wo bereits über die kälteren Gefilde berichtet wurde: Stimmt es, dass das Nordkap auf der norwegischen Insel Magerøya wirklich der nördlichste Punkt in Europa ist? Nein! Auch das stimmt keineswegs! Denn die ein wenig weiter westlich gelegene Landzunge Knivskjellødden ragt noch ein kleines Stückchen weiter Richtung Norden.

Nicht ganz der nördlichste Punkt - das Nordkap

Nr. 4 – Der südlichste Punkt Afrikas ist das Kap der Guten Hoffnung

Auch der südlichste Punkt der Reiseliteratur ist nicht das, was er sein sollte. Zwar ist das Kap der Guten Hoffnung sicherlich das berühmteste und auch markanteste Kap in Afrika – aber das Kap Agulhas liegt noch schlappe 250 Kilometer weiter südlich. Zudem treffen auch hier erst der Atlantik und Indische Ozean aufeinander.

Populär, aber nicht der südlichste Punkt - das Kap der guten Hoffnung

Nr. 5 – Das Tote Meer besitzt das weltweit salzhaltigste Wasser

Das Tote Meer ist ein beliebter Touristen-Magnet: immer wieder tauchen Fotos auf von Badenden, die im Wasser schweben und dabei mühelos eine Zeitung lesen. Natürlich ermöglicht dies nur ein hoher Salzgehalt – im Toten Meer beträgt dieser 28 Prozent. Doch damit ist das Tote Meer noch lange nicht wirklich das salzhaltigste Gewässer der Erde. Dies ist vielmehr der Assalsee im ostafrikanischen Dschibuti. Er kann einen etwa 35-prozentigen Salzgehalt vorweisen. Es gibt sogar einige noch salzigere Seen: der Don Juan See in einem antarktischen Trockental verfügt über 40 Prozent Salzgehalt, dadurch friert sein Wasser sogar bei Temperaturen von Minus 30 Grad niemals ein.

Salziger als das Rote Meer - Assalsee in Afrika

Nr. 6 – Die Sahara ist eine Sandwüste

Menschen denken beim Stichwort Sahara an Sand – viel Sand unter sengender Sonne. Die Vorstellung von Sanddünen in der größten Trockenwüste der Welt hält sich hartnäckig. Dabei besteht die Sahara größtenteils aus Fels- und Steinwüste. Sie ist eine Hammada und besteht zu rund zehn Prozent aus Kies und Geröll – dies wird mit Serir bezeichnet. Die berühmt berüchtigte Sandwüste macht nur etwa 20 Prozent der Sahara aus.

Kaum zu glauben, aber nur 20 Prozent der gesamten Sahara sind Sand

Nr. 7 – Auf Grönland und in Alaska ist es ständig kalt

Auch dass Reisende in Alaska und auf Grönland ständig frieren müssen, ist ein Irrtum. Denn im Hochsommer, der von Mitte Juli bis Mitte/Ende August stattfindet, kann es sich in einigen Landesteilen sogar bis auf 25 Grad Celsius erwärmen. Natürlich kann es dann im Winter an der gleichen Stelle bis auf Minus 40 Grad abkühlen – aber dass dies ganzjährig so ist, ist schlichtweg falsch.

Es ist nicht immer eisig in Grönland (hier Nuuk)

Nr. 8 – Dubai ist ein modernes Party-Ziel

Zwar gilt die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate als modern und weltoffen, trotzdem müssen sich hier Touristen anpassen. So beschränkt sich beispielsweise das alkoholische Angebot ausschließlich auf Discos, Bars und Klubs, die in der Regel großen Hotels angeschlossen sind. Denn nur diese Einrichtungen erhalten überhaupt eine Alkohollizenz, da hier überwiegend Nicht-Muslime untergebracht sind. Oben ohne am Strand ist in Dubai genauso undenkbar wie ein hipper Party-Urlaub.

Strand von Dubai

Nr. 9 – Die Niagarafälle sind die höchsten Wasserfälle der Welt

Keine Frage: Die Niagarafälle sind die bekanntesten Wasserfälle in der Welt. Sie liegen an der Grenze zwischen den USA und Kanada und gelten als absolutes touristisches Highlight. Zwar wirken sie sehr beeindruckend, aber mit einer Fallhöhe von knapp 60 Metern sind sie sogar eher niedrig. Der Angelfall in Venezuela kann übrigens eine Fallhöhe von 1.000 Metern aufweisen und besitzt daher die weltweit höchste Fallhöhe.

Niagara Wasserfälle
Zählen zu den schönsten Wasserfällen, sind aber nicht die höchsten: Niagara

Nr. 10 – Der Name Roter Platz kommt aus dem Kommunismus

Die meisten Reisenden gehen davon aus, dass der Name Roter Platz aus dem Kommunismus herrührt. Das ist auch gar nicht so verkehrt, denn schließlich wurde auch der berühmte Platz vor der Moskauer Basilius-Kathedrale so einst von den Kommunisten genannt. Manchmal müssen auch die am Platz angrenzende Kremlmauer und die Kremltürme für Spekulationen um die Namensgebung herhalten, schließlich sind sie rot. Allerdings waren diese noch bis ins 19. Jahrhundert weiß. Etymologisch belegt ist, dass der Platz Krasnaja Ploschtschad ursprünglich mit „Schöner Platz“ bezeichnet wurde. Denn früher bedeutete das Wort krasny sowohl schön als auch rot. Erst später wurde das Wort ausschließlich für die Farbbezeichnung rot benutzt.

Keine politische Errungenschaft - der Rote Platz in Moskau

Nr. 11 – Nacktbaden ist in an den Stränden in den USA verboten

Im prüden Amerika gibt es keine FKK-Strände – dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Tatsächlich sind Strände, an denen Textilien erwünscht bzw. erwartet werden, deutlich in der Mehrheit. Dennoch ist Nacktbaden in den USA möglich, und zwar immer dann, wenn man an den Stränden Schilder mit der Aufschrift „Clothing optional“ findet. Eine der beliebtesten und daher meist besuchten Nacktbadestrände in den USA ist übrigens Haulover Beach in Miami, Florida.

Haulover Beach Miami
Der Beweis: Auch in den USA ist Nacktbaden denkbar – Strand von Haulover in Florida

Nr. 12 – In den Wüsten Saudi-Arabiens kann nichts gedeihen

Wüsten sind lebensfeindliche Orte? Mitunter ja. Dies gilt aber nicht für Wüsten in Saudi-Arabien. Dort wird seit Jahren erfolgreich Getreide angebaut und zwischenzeitlich war das Land einer der weltgrößten Exporteure für Weizen. Der Grund für den erfolgreichen Anbau ist auf unterirdische Wasserreservoirs zurückzuführen, die aber mittlerweile versiegt sind. Auch der größte Kuhstall der Welt befindet sich unweit vom Anbaugebiet, übrigens 150 Kilometer von der Hauptstadt Riad entfernt.

Nr. 13 – In Europa ist man vor Tropenkrankheiten sicher

Mit gefährlichen Tropenkrankheiten wie Malaria oder Denguefieber kann man sich nur in tropischen Ländern anstecken. Diese Annahme ist mittlerweile nicht mehr gültig. Zwar wird die Mehrzahl der Ansteckungsfälle mit tropischen Krankheiten bei Reiserückkehrern registriert. Doch Asiatische Tigermücke (Überträgerin des Denguefiebers) seit einiger Zeit auch in unseren Breiten heimisch. Begonnen hat die „Einwanderung“ an der französischen und italienischen Mittelmeerküste. Im Jahr 2014 wurden erstmals Populationen der Tigermücke im oberen Rheintal entdeckt.

Nr. 14 – Piranhas können Menschen töten

Das Gerücht, dass die in mittel- und südamerikanischen Gewässern beheimateten Piranhas Menschen töten können, hält sich hartnäckig. Angeblich in wenigen Sekunden kann ein Schwarm dieser Raubfische einen Menschen bis auf das Skelett abnagen. Alles Humbug! Bei Untersuchungen von Beißattacken stellte sich heraus, dass die mit messerscharfen Zähnen ausgestatteten Fische Menschen nicht töten können. Dennoch ist beim Baden in Piranha-Gewässern höchste Vorsicht angesagt, denn aufgrund der hohen Beißkraft können die Piranhas mühelos Finger und Zehen „abkappen“.

Nr. 15 – Baden in der Ostsee ist grundsätzlich unbedenklich

Viele glauben, dass Baden in der Ostsee sei vollkommen unbedenklich, schließlich gibt es dort weder Haie noch giftige Quallen. Irrtum! An der Ostseeküste lauert eine andere Gefahr: Vibrionen. Diese im Meerwasser lebenden Bakterien vermehren sich ab einer Wassertemperatur von 20 Grad Celsius. Sie können über oberflächliche Hautverletzungen in den Körper eindringen und dort eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen. 2014 infizierten sich insgesamt sechs Badende, weshalb die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern als erhöhte Risikolage gilt.

Nr. 16 – Trauungen sind auf hoher See möglich

Auf einer Kreuzfahrt den Bund der Ehe eingehen? Auch wenn die Vorstellung romantisch ist, möglich sind Trauungen an Bord faktisch nicht. Allerdings gibt es eine Ausnahme: In Europa erlaubt einzig Malta Eheschließungen auf hoher See. Segelt der Kapitän unter maltesischer Flagge, darf man an Bord heiraten. Für Deutschland hingegen gilt, dass die Trauung durch einen Standesbeamten vollzogen werden muss, wenn die Ehe auch gültig sein soll.

Nr. 17 – Im Mittelmeer gibt es keine Weißen Haie

Weiße Haie gibt’s nur weit von Europas Küsten entfernt, etwa in australischen und südafrikanischen Gewässern? Falsch! Auch im Mittelmeer leben Weiße Haie. Jedoch ist die Gefahr, beim Baden Opfer einer Attacke zu werden, äußerst gering. An den Stränden wurde er nicht gesichtet, sondern auf hoher See. Auch weltweit gab es in den vergangenen 200 Jahren nur 17 Fälle von Angriffen durch den Weißen Hai, welche tödlich endeten.

Nr. 18 – Afrika hat keine Gletscher

Wer denkt, in Afrika gäbe es nur Steppen, Savannen, Wüsten und Regenwald, liegt falsch. In den höheren Gebirgen sind durchaus Gletscher vorzufinden. Insgesamt rund 13 Quadratkilometer Eismasse gibt es auf diesem Kontinent. Der Großteil der Gletscher befindet sich auf dem höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo im Staat Tansania.

Nr. 19 – Der Himalaya ist das größte Gebirge der Welt

Der Himalaya ist ein beeindruckendes Gebirge, die acht höchsten Gipfel (über 8.000 Höhenmeter) der Welt befinden sich dort. Der Himalaya ist das höchstgelegene Gebirge, aber keinesfalls das größte weltweit. Dieser Titel gebührt vielmehr den Anden, welche sich über 7.500 Kilometer durch Südamerika ziehen. Damit sind sie doppelt so lang wie der Himalaya.

Nr. 20 – Die größten Pyramiden stehen in Ägypten

Zwar ist Ägypten bekannt für seine Pyramiden, eines der antiken sieben Weltwunder. Doch befindet sich die höchste Pyramide der Welt nicht dort, sondern in Südamerika, genauer gesagt in Mexico. Rund 100 Kilometer südlich von Mexico City bei Cholula de Rivadabia liegt die weltweit größte Pyramide. Erbaut wurde sie zu Ehren des Aztekengotts Quetzalcoatl zwischen dem zweiten und sechsten Jahrhundert nach Christus. Mit 18 Hektar Grundfläche und einer Höhe von 54 Metern ist sie deutlich größer als die Cheops-Pyramide in Ägypten.

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